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Wandern und Bergsteigen südöstlich der Karpaten

Ein geschichtlicher Rückblick

von Walter Kargel

Am Anfang waren die Schafhirten – und die Heiducken. Sie bestiegen die höchsten Gipfel, gaben ihnen Namen. Das übrige Volk fürchtete den Berg und mied ihn. Er blieb leer und still – bis ihn die Romantiker mit ihrem Naturkult entdeckten. Aber schon vor ihnen reisten Wissenschaftler durch die rumänischen Fürstentümer. Einige von ihnen bestiegen die Karpaten und schrieben darüber. So Spallanzani, ein italienischer Naturwissenschaftler, Ende des 18. Jahrhunderts, und sein österreichischer Zeitgenosse, der in der alpinen Geschichte vielgenannte Belsazar Hacquet.
Der erste Rumäne, der seine Bergwanderungen beschrieb, war ein Romantiker, Alecu Russo, Dichter der „Cântarea României“ („Hohelied Rumäniens“), Entdecker des Mioriţa-Liedes und anderer Volksdichtung.
Unerforschter Butschetsch – so etwas gab es 1839, als erstmalig A. I. Vaillant, Professor der französischen Sprache zu Bukarest, die Postkutsche bestieg. Gemeinsam mit seinem Gefährten, Sluger Angelescu, begann er in Sinaia seine Wanderung, die ihn über den Vârful cu Dor zur Jalomitza-Höhle (Peştera) führte, wo er bei den Mönchen übernachtete. Am nächsten Tag erreichten die Beiden über Babele den höchsten Gipfel, den Omu, und waren am gleichen Abend wieder in Sinaia – eine erstaunliche Leistung. Das war wohl die erste touristische Butschetsch-Besteigung.
Fast drei Jahrzehnte gingen ins Land. 1866 bestieg der berühmte englische Bergsteiger Leske Stephen mit seinem Gefährten Bryce den Butschetsch und den Ceahlău und berichtete darüber in seinem weltbekannten Buch „The playground of Europe“.
1880 – 1916: Das Prahovatal bekam seine Bahnverbindung (Bukarest – Predeal), die Hohenzollern bauten sich ihr Lustschloss in Sinaia, und die Bukarester Gesellschaft wählte Sinaia zu ihrer Sommerresidenz. Politiker, Dichter und Künstler kamen, unter ihnen Barbu Delavrancea, Nicolae Grigorescu, Dr. Grecescu. Der erste Verein entstand hier: „Societatea Carpatină din Sinaia“ (1895), gegründet vom Klosterabt Nifon und von Bucura Dumbravă. Der Verein erschloss während seines fünfzehnjährigen Bestehens die Jalomitza-Höhle, baute die Wege aus, errichtete die ersten Schutzhütten Caraiman und Omu und organisierte Kollektivwanderungen.
1903 entstand die „Societatea Turiştilor Români“. Bucura Dumbravă, M. Bogdan, Dr. Urechliă, Mihai Haret, Emanoil Bucuţă waren die eifrigsten Mitglieder. Der Verein ging in den Wirren des Ersten Weltkriegs unter.
Bereits 1919 wurde der fortschrittliche, der Arbeiterbewegung nahestehende Touristenverein „Der Naturfreunde“ (nach österreichischem Vorbild) gegründet. Der Verein hatte 15 Filialen und eine begeisterte Anhängerschaft, doch wurde er 1924 gleichzeitig mit der RKP verboten. Er lebte jedoch weiter im Sportverein „Stăruinţa“.
Die Mitglieder der ehemaligen „Societatea Turiştilor Români“, allen voran der unermüdliche Mihai Haret, gründeten 1921 den „Hanul Drumeţilor“, der 1924, vereint mit der „Frăţia Montană“ des hervorragenden Naturforschers Prof. Emil Racoviţă, den „Touring Clubul României“ (TCR) ergab. Die erste Hütte des „Hanul Drumeţilor“ war die Peştera-Hütte und der erste Hüttenwart der Führer und Gämsenjäger Nicolae Butmăloiu.
Der TCR baute 16 Hütten, markierte Wege, gab Karten, Monographien und Jahrbücher heraus; Wanderungen, Skischulen und Vorträge wurden organisiert. 1940 zählte er 4000 Mitglieder.
In der Moldau vereinten sich die Wanderer in der Sektion Wandern der „Societatea de Gimnastică, Sport şi Muzică“ in Jassy. Was für die Walachei das Butschetsch-Gebirge, war für die Moldau der Ceahlău, Kloster Neamţ war das Sinaia, wo sich Dichter und Künstler trafen, wie der Autor des „Pe Drumuri de Munte“, Calistrat Hogaş.
Das alpine Bergsteigen entwickelte sich aus dem Wandern. Den Anfang machten die bekannten und unbekannten Gämsenjäger. Sie kletterten als Erste die steilen Schluchten und Rinnen des Butschetsch hoch. Der erste Bergsteiger im heutigen Sinn war wohl Rosetti-Solescu. Als Student in Deutschland und Österreich hatte er mit Dülfer Kletterfahrten im Wilden Kaiser unternommen und die moderne Seiltechnik kennengelernt. Bucura Dumbravă beschreibt ihre Besteigung des Acul Mare al Morarului mit Rosetti-Solescu als Seilersten, Butmăloius Bravourstücke waren Valea Seacă a Caraimanului und Valea Seacă dintre Clăi. Nicolae Comănescu machte einen großen Schritt vorwärts mit der Eroberung der Picătura mit Dr. Vasile Steopol 1933. Dr. Steopol war Präsident des neugegründeten „Clubul Alpin Român“, und die Entwicklung des rumänischen Alpinismus ging nun steil voran. Nicolae Baticu, ein junger Draufgänger, brachte die große Wende: Er meisterte erstmalig die „Furci“ 1935. Der junge Klub (sein begeisterter Sekretär war Nae Dimitriu) erschloss nun systematisch die Felsenwelt des Butschetsch und des Königsteins. 1938 entstand der „Căminul Alpin“ in Buşteni und der Refugiul Coştila. Kletterschulen und Zeltlager wurden organisiert, die winterliche Bergwelt erschlossen. Arbeiter befanden sich von Anfang an in den ersten Reihen des jungen Alpinismus, so die Eisenbahner von Griviţa, Virgil Georgescu und Ion Marinescu.
Vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges entstanden weitere Vereine: „ADMIR“ baute 5 Hütten in den Massiven Butschetsch, Königstein, Iezeru-Păpuşa und auf der Südseite der Fogarascher Berge; „România Pitorească“ gründete die Ciucaş-Hütte und markierte den Krähenstein (Ciucaş) und den Penteleu; „Clubul Carpatin Român“ (CCR) baute die Brav-Hütte (Caraiman).

(Verlag Neuer Weg, Bukarest - Komm Mit 70, S. 179 – 182)

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181 Ein Pionier des Tourismus: Mihai Haret
182 Die hervorragend gelegene Caraiman-Hütte im Butschetsch ist eine Gründung des „Clubul Carpatin Român“.
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