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Perlen des Nordens

von Georg Hromadka

Eingebettet in die einzigartige Obcine-Landschaft der Bukowina liegen die fünf Klosterkirchen, die weltberühmt sind wegen ihrer Wandgemälde, vor allem ihrer Außenfresken: Voroneţ, Humor, Moldoviţa, Suceviţa, Arbore. Schon die Anlage (besonders von Suceviţa und Moldoviţa), die Architektur, der Kontrast zur Landschaft und zugleich das Harmonieren mit ihr wirken auf den Besucher. Am meisten aber ist man von der Qualität der Außenwandmalereien beeindruckt. Dass sich diese Kunstwerke vierhundert und mehr Jahre erhalten haben, dass sie von ihrer ursprünglichen Frische fast nichts eingebüsst haben, mutet wie ein Wunder an. Was müssen das für Meister gewesen sein, denen es gelungen ist, so hervorragende Mittel und Techniken ausfindig zu machen, dass sie ihren Werken in einer verhältnismäßig rauen Klimazone Europas dauernden Bestand sichern konnten! Von den Meistern weiß man, dass sie aus dem rumänischen Handwerkerstand hervorgegangen sind (schon die Vertrautheit mit der spezifischen Umwelt beweist das). Die Technik war das „Al fresco“, der Farbauftrag auf den feuchten (frischen) Kalkbewurf. Über die angewandten Farb- und Bindemittel ist man sich noch nicht völlig im Klaren. Die erhaltenen Außenfresken sind größtenteils zur Regierungszeit des Fürsten Petru Rareş (des Sohns Stefan des Großen) gemalt worden. Ein Verwandter des Fürsten, der kunstsinnige Metropolit Grigorie Roşca, scheint die Außenbemalung der Kirche veranlasst zu haben. Er hat damit wesentlich zur Herausbildung des moldauischen Malstils beigetragen. Die Kirche von Probota ist 1532 möglicherweise als Erste mit Außenfresken geschmückt worden. (Von der Außenbemalung ist in Probota fast nichts übrig geblieben; die Farben haben nicht gehalten.) Humor folgte 1535, Moldoviţa 1537, Arbore 1541, Voroneţ 1547. (Suceviţa ist später, im vorletzten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts, erbaut und mit Fresken versehen worden.) Höchste Bewunderung erregen bei den Touristen die Außenfresken von Voroneţ. Am stärksten wird man von der Westwand der Kirche angezogen. Hier ist das Jüngste Gericht dargestellt. Meister Marcu, der Aufseher der Malergruppe, hat hier sein Bestes geleistet. Köstliche Einzelheiten belegen die einheimisch-rumänische Herkunft des Malers: Der Engel, der die Toten auferweckt, stößt ins Alphorn, unter den Verdammten erkennt man die Landesfeinde von damals, die Türken und die Tartaren; König David schlägt die rumänische Laute, die „cobză“; im Wasser wimmelt es neben Kraken und andrem Seegetier von Bachforellen, wie sie heute noch in unsern Berggewässern vorkommen...

(Verlag Neuer Weg, Bukarest - Komm Mit 70, S. 233 – 237)

Seite Bildunterschrift
 
233 Moldoviţa
234 Suceviţa
235 Humor
236 Voroneţ
237 Arbore

Aquarelle: Juliana Dancu

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